Zu Profis in eigener Sache werden: KISS unterstützt seit 25 Jahren Menschen in Selbsthilfegruppen

Dörte von Kittlitz (2. v. r.) überreichte Zehnkämper-Urkunden an (v. l.) Barbara Dancs, Brigitte Sydekum, Christine Mahlstedt (alle KISS) und Rifat Fersahoglu-Weber (AWO-Vorstandsvorsitzender).

Goslar. Vor 25 Jahren wurde die AWO-Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe (KISS) gegründet. Das war Anlass für eine Feier mit zahlreichen Vertretern von Selbsthilfegruppen und Kooperationspartner der KISS. Der heutige Vorstandsvorsitzende des AWO-Bezirksverbandes Braunschweig, Rifat Fersahoglu-Weber, hatte die KISS während der ersten fünf Jahre ihres Bestehens aufgebaut.

 

„Ich habe viel darüber gelernt, wie Selbsthilfe funktioniert“, blickt Fersahoglu-Weber zurück. Unterstützung habe er durch das Selbsthilfebüro Niedersachsen und die Presse erhalten. „Durch die Presseberichterstattung begann das Telefon zu klingeln.“ Während der ersten drei Jahre habe er „gefühlt jeden Abend Gruppen gegründet.“ Nach fünf Jahren waren es neunzig Gruppen.

 

In den Gruppen konnten die Teilnehmer davon profitieren, dass sie Profi in eigener Sache waren, ihre Selbstbestimmtheit und ihre Teilhabe an der Gesellschaft stärken. Die damals mit 17 Personen gegründete Haarzell-Leukämie-Gruppe habe dazu geführt, dass heute einmal jährlich Betroffene und Fachleute aus ganz Deutschland und den USA kommen, um an einem dreitägigen Treffen teilzunehmen.

 

Christine Mahlstedt, seit 15 Jahren Leiterin der KISS, ist stolz darauf, dass sie mit ihrem „kleinen, feinen Team“, bestehend aus ihr und ihren beiden Mitarbeiterinnen, „so viele Menschen unterstützen und begleiten durften.“ Allein im letzten Jahr habe es 1.240 Anfragen gegeben. „Wir halten ratsuchenden Menschen unsere Türen auf und respektieren ihre Würde. Wir bieten Feuerholz als Energiequelle an und lassen den Menschen die Freiheit, es zu nehmen und ihre Flamme selbst zu entzünden.“

 

Goslars Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk sagt, er zolle jedem Respekt, der in eine Selbsthilfegruppe gehe. „Die Gruppen unterstützen dabei, diesen Schritt zu gehen.“

 

Dörte von Kittlitz vom Selbsthilfebüro Niedersachsen hat festgestellt, dass auch nach Abschluss der eigenen Krankheit viele Menschen dem Thema Selbsthilfe verhaftet bleiben. „Sie gründen neue Gruppen zu anderen Themen oder rufen Kunst- und Kreativgruppen ins Leben. Sie haben gelernt, wie wichtig die Unterstützung durch Selbsthilfegruppen ist.“ Auch Fachleute in Institutionen kämen oft aus Selbsthilfegruppen, und der Medizinbereich profitiere deutlich von ihnen. Den Gründer der KISS, Rifat Fersahoglu-Weber, sowie die derzeitigen Mitarbeiterinnen ehrt Dörte von Kittlitz jeweils mit einer Zehnkämpfer-Urkunde, denn: „Wer im Selbsthilfebereich arbeitet, ist ein Zehnkämpfer!“