Japanischer Zeitungsredakteur interviewt vietnamesische Pflegefachkraft

(Von links): Heimleiter Anthony Starke und Pflegefachraft Ha Nguyen im Gespräch mit dem japanischen Redakteur Kyosuke Yamamoto und Übersetzer Tan Minoguchi.

Ha Nguyen mit Bewohnerin Anneliese Nahme-Cygan.

Vechelde. Warum ist die Vietnamesin Ha Nguyen um den halben Erdball geflogen, um im 11.000 Kilometer entfernten Deutschland zu arbeiten – und nicht in Japan? Das wollte Kyosuke Yamamoto von der japanischen Zeitung The Asahi Shimbun ganz genau wissen und reiste nach Vechelde, um die Pflegefachkraft im dortigen AWO-Wohn- und Pflegeheim zu befragen. Denn auch in Japan herrscht, wie in Deutschland, Fachkräftemangel in der Pflege.

 

Von 2013 bis 2015 hatte der AWO-Bezirksverband Braunschweig 10 junge Vietnamesinnen und Vietnamesen, die in ihrer Heimat bereits eine Ausbildung in der Krankenpflege absolviert hatten, zu Pflegefachkräften ausgebildet. Eine davon ist Ha Nguyen. Die heute 29-Jährige hat ihre Ausbildung im AWO-Wohn- und Pflegeheim Am Inselwall in Braunschweig absolviert, nach ihrer Abschlussprüfung wechselte sie nach Vechelde, wo sie nun seit drei Jahren arbeitet.

 

Warum also hat sie sich für Deutschland entschieden? Zunächst habe sie in Vietnam Arbeit gesucht, aber die Angebote hatten ihr nicht gefallen: „Zu wenig Geld, zu kleine Welt.“ Im Internet fand sie dann das Projekt der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit, das vietnamesischen Fachkräften eine Pflegeausbildung in Deutschland vermittelte. Sie hätte auch nach Japan gehen können, „das ist auch ein schönes Land mit den Kirschblüten“, und die asiatische Kultur wäre ihr natürlich vertrauter gewesen. Aber zeitlich passte Deutschland gerade besser. Und außerdem: „Europa hat die größte Kultur auf der Welt, und Deutschland ist das Hauptland, hier ist alles tiefer entwickelt“, schwärmt Ha Nguyen.

 

Hatte sie denn keine Angst, in ein ihr so fremdes Land so fern der Heimat umzusiedeln? „Nein, ich hatte keine Angst! Ich war voll motiviert!“, strahlt sie. Und das, obwohl sie gar nicht wusste, dass sie für die Kosten der Ausbildung, Sprachkurse und Unterkunft gar nicht selbst aufkommen musste. „Das habe ich erst später erfahren.“

 

Sie hat sich eingelebt in Vechelde, Freunde gefunden und nette Arbeitskollegen, mit denen sie privat etwas unternimmt. „Die Arbeit ist anstrengend, aber es gibt Geräte, die mir die Arbeit erleichtern, und ich kann mich ja in meiner Freizeit entspannen“, berichtet sie. Und wie aufs Stichwort öffnet sich die Tür, eine Kollegin bleibt im Rahmen stehen und sagt: „Entschuldigung, dass ich störe, aber Ha hat jetzt Dienst, sie wird gebraucht!“