"Familie ist wie ein Start-up-Unternehmen mit einer Doppelspitze"

Das Team des AWO-Familienberatungszentrums feiert 10-jähriges Bestehen (von links): Carsten Bromann, Mareen Rügen, Angelika Heil, Christina von Buch und Kathrin Dziuba (derzeit in Elternzeit) mit Jona.

Bürgermeister Ingolf Viereck (Mitte) überreicht Carsten Bromann (links) und Rifat Fersahoglu-Weber als Gastgeschenk ein Bild.

Wolfsburg. „Es gehört zu den Kernaufgaben der AWO, Menschen, die in Konfliktsituationen sind, zu stärken und sie dabei zu unterstützen, Selbstverantwortung zu übernehmen“, sagte AWO-Vorstandsvorsitzender Rifat Fersahoglu-Weber anlässlich des zehnjährigen Bestehens des AWO-Familienberatungszentrums Wolfsburg.

 

Drei Mitarbeiterinnen beraten zu den Themen Schwangerschaftskonflikt- und Schwangerschaftsberatung, vorgeburtliche Untersuchungen, Säuglings- und Kleinkindberatung, psychische Krisen rund um die Geburt, unerfüllter Kinderwunsch und Verlust eines Kindes. Dies geschieht in enger Kooperation mit der Stadt Wolfsburg und dem Klinikum Wolfsburg.

 

Wolfsburgs Bürgermeister Ingolf Viereck bestätigte die enge Partnerschaft: „Das AWO-Familienberatungszentrum ist fester Bestandteil unseres Beratungsnetzwerks. Ein Kind ist immer eine Herausforderung! Wolfsburg ist eine familienunterstützende und -fördernde Stadt und AWO ein wichtiger Partner.“ 400 Ratsuchende würden jährlich im AWO-Familienberatungszentrum kompetent beraten und begleitet. „Das Vermitteln von Sicherheit in unsicheren Situationen ist das Credo Ihrer Arbeit“, richtete Viereck das Wort an die AWO-Beraterinnen.

 

„Wir reden über nichts weniger als den Beginn des Lebens“ – so begann Carsten Bromann, Leiter von vier AWO-Familienberatungsstellen in der Region zwischen Harz und Heide, seinen Vortrag über die Beratungsarbeit mit Schwangeren und jungen Familien. „Die Menschen haben nach wie vor Lust auf Elternschaft“, weiß der Diplompsychologe. Es zeichne sich sogar wieder ein Babyboom ab. Und 75 Prozent der Väter nähmen inzwischen Elternzeit.

 

Wenn allerdings nach etwa 18 Monaten die Verliebtheit verblasse, belaste die Elternschaft die Beziehung: „Die Mütter klagen, dass sich die Väter nicht genug an der Erziehung beteiligen, die Väter klagen, dass sich die Mütter zuviel um das Kind kümmern.“ Nicht nur die Work-Life-Balance gerate aus dem Gleichgewicht, sondern auch die Love-Family-Balance. „Das ist ein großes Problem: Die Eltern haben keine Zeit mehr für sich als Paare.“

 

Bei 60 Prozent der Eltern gehe Studien zufolge nach der Geburt die Partnerschaft rapide nach unten. Insbesondere zwei Dynamiken setzten in dieser Phase ein: „Einer kritisiert, einer zieht sich zurück. Oder einer klagt, zu wenig Wertschätzung zu erhalten, der andere beschwert sich über zu wenig Zärtlichkeit und Sexualität.“

 

Erziehungskonflikte seien die Hauptkonflikte bei Paaren und die Hauptgründe für Trennungen. Und das sei kein Wunder: „Eine neu gegründete Familie ist wie ein Start-up-Unternehmen mit einer Doppelspitze, in dem 500 bis 1.000 Entscheidungen täglich getroffen werden müssen! Und das in einer Branche, in dem sie keine Erfahrung haben.“ Hier könne das AWO-Familienberatungszentrum Unterstützung geben.