ZEF wurde 40: „Ein Juwel in dieser Stadt!“

Feierten das 40-jährige Bestehen des ZEF: Rifat Fersahoglu-Weber (AWO-Vorstandsvorsitzender, 3. v. l.), Carsten Bromann (Leiter der AWO-Familienberatungsstellen, 2. v. l.), Dirk Bitterberg (stv. AWO-Vorstandsvorsitzender, l.), Erik Homann (Bürgermeister Seesen, 2. v. r.) und das ZEF-Team.

Mit Puppen stellte Carsten Bromann Familiensituationen nach und gestaltete so seinen Vortrag über Erziehung sehr anschaulich.

Seesen. „Das muss man erst mal wuppen!“, sagte AWO-Vorstandsvorsitzender Rifat Fersahoglu-Weber anerkennend, als er anlässlich des 40-jährigen Bestehens des AWO-Zentrums für Erziehungs- und Familienberatung (ZEF) in Seesen Zahlen nannte: „12.000 Kinder oder Jugendliche und ihre Familien nahmen während der vergangenen 40 Jahre Hilfsangebote des ZEF in Anspruch. Das bedeutet, jeder zweite Seesener hat die Beratungsstelle in Anspruch genommen.“

 

1979 habe man mit dem ZEF eine gemeindenahe Betreuung schaffen wollen, und zwar mit dem Schwerpunkt Familienberatung. „Es war damals etwas Besonderes, nicht nur die einzelnen Klienten zu beraten, sondern die ganze Familie einzubeziehen.“

 

Derzeit nutzen rund 370 Kinder oder Jugendliche und ihre Familien die Angebote des Beratungszentrums, die von Eltern-, Paar- und Jugendberatung über Mediation und Leistungsdiagnostik reichen. „Das ZEF ist über die Grenzen des Landkreises Goslar hinaus zum Markenartikel geworden. Es ist ein Ort der Bildung, des Lernens und der Begegnung, auf den wir stolz sind und an dem wir festhalten werden“, sagte der AWO-Vorstandsvorsitzende. „Machen Sie so weiter, die Familien brauchen Sie!“

 

Seesens Bürgermeister Erik Homann beschrieb das ZEF als feste Anlaufstelle für Familien, die verlässlich, verschwiegen, flexibel und unkompliziert sei und ihre Aufgaben mit hoher Verantwortung erfülle. „Was Sie hier leisten, ist bemerkenswert! Sie halten eine unglaubliche Vielzahl an Angeboten vor, die immer mehr in Anspruch genommen werden.“ Als Gründe dafür vermutet Homann die zugenommene Berufstätigkeit beider Elternteile sowie die Digitalisierung. Beides habe Einfluss auf die Familienstruktur. „Institutionelle Angebote werden daher immer wichtiger. Ihre Einrichtung ist ein Juwel in dieser Stadt!“

 

Einen sehr anschaulichen Vortrag mit dem Titel „Erziehung braucht Beratung – Chancen, Wirkungen und neue Konzepte der Erziehungsberatung“ hielt Carsten Bromann, Gesamtleiter der AWO-Familienberatungsstellen zwischen Harz und Heide.

 

Bromann hat beobachtet, dass sich die Erziehungswerte geändert haben: „In den 80-er und 90-er Jahren war es den Eltern wichtig, ihren Kindern Selbstvertrauen und Selbstständigkeit zu vermitteln, seit den 2010-er Jahren steht der Wert Ehrlichkeit an oberster Stelle.“  

 

Oft fragten Eltern ihn: „Was wirkt in der Erziehung?“ Darauf antworte er mit einer guten und einer schlechten Nachricht: „Vorbild wirkt ganz exzellent – leider auch ein schlechtes Vorbild.“ Sollten Kinder ein unerwünschtes Verhalten, wie etwa Wutausbrüche, zeigen, solle man zuerst in der Familie nachsehen, ob dort ein ähnliches Verhalten vorkommt. „Meist findet man es bei den Eltern.“ Wirkungsvoll seien zudem eine gute Eltern-Kind-Beziehung, Konsequenz, Demokratie, Vertrauen, Freiheit in Grenzen und Beratung.

 

Am 14. und 15. November wird das ZEF eine große landesweite Fachtagung ausrichten mit dem Thema: „Kreativität küsst Beratung – kreative Methoden in der Familienberatung“. Die Tagung ist seit Wochen ausgebucht.