Der § 218 in der Kunst – gestern und heute

Angelika Heil vom AWO-Familienberatungszentrum Wolfsburg referiert über den Paragraf 218 in der Kunst.

Wolfsburg. Seit nun mehr 150 Jahren gibt es den § 218. Im Jahr 1871 unter Otto von Bismarck  eingeführt, bestimmt er bis heute in veränderter Form den Umgang mit Schwangerschaftsabbrüchen in Deutschland.

 

Zum Weltfrauentag am 8. März veranstalteten die lokalen Schwangerschaftsberatungsstellen in Wolfsburg gemeinsam einen virtuellen Stadtspaziergang zum Thema 150 Jahre Paragraph 218.

 

Jede Beratungsstelle informierte in einem Video über ein spezielles Thema im Zusammenhang mit dem § 218.

 

Das Thema des AWO-Familienberatungszentrums war der § 218 in der Auseinandersetzung mit der Kunst. Angelika Heil stellt verschiedene Formen der Kunst vor, die sich intensiv mit dem § 218 auseinandersetzen - von der Vergangenheit bis heute.

 

Schon frühzeitig - in der Weimarer Republik - waren es Künstler*innen, die sich aktiv mit diesem Paragraphen auseinander setzten. In Lithographien, Theaterstücken, Büchern und vielem mehr beleuchteten sie fiktive, aber auch reale und manchmal auch eigene Schicksale.

 

Dieser Drang, das Schicksal von betroffenen Frauen nicht im Hintergrund verschwinden zu lassen und/oder zu tabuisieren, hält bis heute an und inspiriert Filmschaffende und andere Künstler immer wieder zu neuen Werken.

 

Die im Video vorgestellten Werke sind:

 

1. „Nieder mit dem Abtreibungsparagraphen“

Kreidelithographie (Lithographie = Flachdruckverfahren) von Käthe Kollwitz (1867-1945, Bildhauerin, Grafikerin) aus dem Jahr 1923 im Auftrag für das Frauensekretariat  der KPD, für eine Kampagne gegen § 218.

 

2. „ Cyankali“

Schauspiel von Friedrich Wolff (1888-1953, Arzt, Politiker und Schriftsteller),1929 Uraufführung in Berlin.

Es thematisiert die Notlage der 20-jährigen Hete Fent. Sie ist schwanger und wird arbeitslos, ebenso wie der Kindsvater. Die unvermittelte wirtschaftliche  Not lässt Hete eine Abtreibung in Betracht ziehen. Da sie keine ärztliche Unterstützung erfährt, nimmt sie diese illegal selbst vor und stirbt.

 

3. Tagebücher der Schriftstellerin Anais Nin (1903-1977)

Die Schriftstellerin beschreibt in ihren Tagebüchern ihre eigenen Erlebnisse mit Schwangerschaft und Abbruch.

 

4. Charlotte Worgitzky, Schriftstellerin (*1934)

Die Schriftstellerin nimmt Bezug zum Schauspiel „Cyankali“ und beschreibt die fiktive Geschichte der Hauptdarstellerin und ihrer Auseinandersetzung mit dem Thema des Schauspiels und den eigenen Abtreibungen.

 

5. Dirty Dancing

Spielfilm (1987). In einer Nebenhandlung wird die missglückte illegale Abtreibung einer Nebenfigur thematisiert.

 

6. Niemals, Selten, Manchmal, Immer

Spielfilm (2020). Der Film behandelt die Geschichte einer 17-jährigen Frau auf dem Weg vom ländlichen Pennsylvania nach New York zum Schwangerschaftsabbruch.


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